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Gabriele Behrend
Autor

Projekt-Bericht-Erstattung

Wenn es etwas aktuelles gibt, dann wird es hier verkündet.
Wenn nicht, dann nicht.

alles auf Anfang

2 Vollendete 2x10/10 zum 2ten

7/29/2024

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Wunsch – Giraffe – Post – Universum – Morgen – Hunde – Tisch – Kakadu – Fußball – See
 
Die Giraffe hatte einen Herzenswunsch, den sie bislang noch nie jemanden erzählt hatte. Auch nicht dem Kakadu, der sie an jedem Morgen zum Kaffee besuchte. Sie hatte ihren Wunsch bislang nur ans Universum gerichtet, doch noch hatte sich auf der Ebene rein gar nichts getan.
Als Kakadu und Giraffe am Tisch im Haus am See saßen, klingelte es an der Tür. Die Post war eingetroffen und in dem Wust von Briefen war auch eine Einladung zu einem Fußballcamp enthalten. Fußball! Da rannte die Giraffe auf die Wiese vor dem Haus, schreckte die Hunde auf und warf ohre Beine in die Luft. Kakadu kam hinterhergeflogen.
„Was machst du da?“, fragte er.
„Ich freue mich!“, wieherte die Giraffe und lachte.
„Aber warum?“
„Weil ich jetzt ein Fußballstar werde, darum! Die werden mein Talent sehen und mich mit Kusshand nehmen.“
Kakadu war da ein wenig anderer Meinung, aber fürs erste wollte er Giraffe seine Freude nicht neiden. Das Leben kam früh genug.

***
​
Selbsthilfegruppe – Einkauf – Hortensie – Terrasse – Burg – Kaktus – Zeitung – Süßigkeiten – Uhr – Spiel
 
Amila kam mit ihrem Einkauf für das allwöchentliche Treffen der Selbsthilfegruppe zurück nach Hause. Nachdem sie die Taschen und Tüten in der Küche abgestellt hatte, trat sie auf die Terrasse und goss ihre blaurosafarbene Hortensie. Die hatte, im Gegenteil zum Kaktus, zum Schwiegermutterthron, das Wasser dringend nötig.
Amila sah auf ihre Uhr – es war spät geworden und sie musste dringend zur Burg, wie sie alle das Gebäude nannten, in dem sie sich zu Spiel und Süßigkeiten trafen. Selbst die Zeitung hatte den Begriff übernommen, als sie den Bericht über die Nachsorge von Psychiatriepatienten herausbrachten. Seitdem hatte sich der Zulauf zu der Gruppe verdoppelt und Amila konnte sich über eine erweiterte Zuwendung vom Staat freuen. Endlich konnte sie die Vortragenden einladen, die ihnen wirklichen Nährwert brachten. Nicht das Spielen nicht auch gut wäre, aber manchmal hatte ein wenig Input auch etwas für sich. Und so packte Amila ihre Taschen und machte sich auf den Weg.

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Zwei Vollendete - 2x 10 / 10

7/24/2024

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grübeln - Motivation - Pläne - Venusfliegenfalle - Therapiehund - Co-Abhängigkeit - Literatur - Regen - Erwartungen - Schubladendenken

Der Regen schnürte an diesem Tag in feinperligen Strängen vom Himmel. Ich grübelte, wie so oft. Was war meine Motivation, hier zu sein? Welche Pläne wollte ich, wenn, überhaupt umsetzen? Meine Erwartungen waren verschwindend gering, denn der Therapiehund hatte längst versagt. Er  war felliges Beiwerk, das mich nicht mochte und ich ihn nicht. Da waren mir meine Sprosse der Venusfliegenfalle wesentlich lieber. Sie waren ehrlicher. Happs und tot bist du. Aber Schubladendenken half nicht weiter. Ich liebe, also bin ich glücklich. Literatur dazu gab es massenhaft. Aber so war es eben in einer Co-Abhängigkeit. Die war wie in Beton gegossen und somit schwer loszuwerden- C'est-ca. Es konnte nur besser werden.

Wut - Musik - Hysterie - abgeschnitten - Notbeleuchtung - Wahnsinn - Handschellen - Narzisst - Synapsen - Kontrollverlust

Der Narzisst war wieder da. Irgendwann stand er da, mitten in der Gruppe und ihre Wut war wieder da. Es war galoppierender Wahnsinn was sein Erscheinen mit ihr anstellte. Die Hysterie lauerte am Rande ihres Denkens. Sie rief die Musik ihrer inneren Playlist ab, befeuerte ihre Synapsen mit Elektro Swing, bis sie kurz vor dem Kontrollverlust stand. Aber er war noch immer da, hatte sich wie ein Stein ins Brett gebohrt und sie konnte sich nicht abschneiden von ihrem Hass, konnte sich nicht zurückhalten.
Später, im Licht der Notbeleuchtung, wurde sie in Handschellen abgeführt. Sie wusste nicht, was geschehen war. Aber sie waren alle so vorsichtig mit ihr, so freundlich, so einfühlsam. So musste sich das also anfühlen: TILT!
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Blumen pflücken

7/19/2024

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Heute am frühen Nachmittag ging es mir zusehends schlechter. Aus einem Zustand unbestimmbarer Leere wurde ein Zustand von Ausgegrenztheit, dem ich entgegen wirken wollte, indem ich schrieb. Aber da war immer noch die Leere, ich hatte nichts zu schreiben, nichts zu sagen. Gleichzeitig kamen die Tränen und ich bat die Pflege um ein Gespräch. Herr K. setzte sich mit mir in den Aufenthaltsraum und hörte erst einmal nur zu. Dann identifizierte er meine Tränen als das verletzliche Kind, dass gerade mit aller Macht in den Vordergrund drängte. Und er fragte mich, was ich dem Kind jetzt Gutes  tun könne. Da fielen mir die Vasen ein, die noch immer ohne Blumen waren und ich hatte das Bild vor dem inneren Auge, wie ich mit dem Kind an der Hand über die Wiese zöge. Um Blumen zu sammeln, für die Vasen.
Also planten wir die kommende Zeit. Erst mit dem Kind Blumen schneiden, dann die Vasen bestücken. Dann das Kind fragen, ob es mitkommen wolle und sich dann auf die Geburtstagsparty trauen. Gesagt, getan. Jetzt haben wir fünf Vasen aus Beton mit ihrer Blütenpracht, auf der Party saß ich auf der Picknickdecke und hatte Tomaten-Mozzarella-Spieße. Sonst nicht viel, ich bin nicht gemacht für zwangloses Partygeplauder. Vielleicht liegt es daran, dass ich schlecht nur die Rolle des Zuhörers einnehmen kann, Aber das ist ein anderes Problemfeld. Hauptsache, ich habe es erst einmal geschafft, mich zu den anderen zu gesellen.
​Und jetzt bin ich hier und schreibe über diese letzte Schema-Aktivierung. Denn jetzt habe ich etwas zu sagen. Was bedeutet, dass ich jetzt vermeiden kann, an der Party weiterhin teilzuhaben. Ob das gut oder schlecht ist, Ich weiß es nicht.
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Der Film

7/18/2024

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Ich gehe durch eine Tür. Sie ist aus Stahl, schwarz lackiert und gleichmäßig gepunzt. Eine Brandschutztür, wie man sie zu tausenden in Cinemaplexen finden kann. Diese Tür öffnet sich auch zu einem Kinosaal. Doch der Film ist seltsam, kein Blockbuster, eher Programmkino. Ich wähle meinen Sitzplatz, Mitte, Mitte.
Das Licht im Saal schwindet, die Leinwand erhellt sich. Ein Bild schält sich aus den Nebeln des Vorspanns, ein Kindergesicht sieht mich an. Hellbraune Haare, große, dunkelbraune Augen, eine Stuppsnase und feingeschnittene Lippen. Dieses Kind ist schön. Zart, tappsig, liebenswert. Es trägt einen Pullover mit gelben und grünen Rauten und eine Jeanslatzhose. Es sitzt ruhig auf dem Boden, es wartet ab, was passieren mag.
Ich strecke meine Hand aus und greiffe durch die Leinwand. Ich streichle die Wange der Kleinen. Sie kichert. Dann setze ich mich neben sie, nehme Platz auf der braun melierten Auslegeware.
"Ich wünsche dir viel Kraft für das was kommen wird. Du packst das. Du wirst das überleben!"
Das Kind starrt mich verständnislos an. Da merke ich, dass ich mich ihm anders nähern muss. Direkter, offensiver.
"Ich hab dich lieb!", sage ich also und breite meine Arme aus. Das Kind erwidert die Geste und gluckst. Da ziehe ich es in eine sanfte Umarmung. Das Kind schmiegt seinen Kopf an meine Schulter, es liegt schwer in meinem Arm. Es schmatzt leise und zieht die Nase hoch. Ich lächle und tätschle den Windelpopo.
Da regt sich das Kind und strampelt mit den Beinen. Ich setze es ab und sehe ihm dabei zu, wie es Bauklötze auf dem Teppich herumschiebt. Da spüre ich, dass ich hier nicht mehr gebraucht werde. Ich winke dem Kind, das dies nicht mitbekommt, viel zu sehr ist es in seinem Spiel vertieft. 
Dann ziehe ich mich zurück, kehre an meinen Platz zurück und sehe dem Kind noch einige Minuten zu. Dann erhebe ich mich, erfüllt mit dem warmen Gefühl von Fürsorge und Obacht, verlasse den Kinosaal und schließe die Brandschutztür hinter mir. Alles ist gut. Alles wird gut. Ich lebe. Ich liebe.
~ *F*I*N* ~
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Das Gefühl und ich - ein Dialog

7/17/2024

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"Geh weg!", sagt mir das Gefühl. Es zieht die Beine an, schlingt die Arme drum und stützt sein Kinn auf den Knien auf. Das Gefühl hat braune halblange Haare, die ihm wie ein dichter Vorhang ins Gesicht fallen.
"Warum soll ich denn gehen?", frage ich sanft und setze mich mit etwas Abstand zu dem Gefühl. "Wer bist du eigentlich?"
Das Gefühl sieht mich scheel an. "Und wer will das wissen?"
Ich muss lächeln. "Na, du! Denn ich bin du in der Zukunft."
"Oh!", entfährt es dem Gefühl. Danach schweigt es verbissen.
"Also, wer bist du?"
Da schnaubt das Gefühl. "Ich bin die Einsamkeit, das Alleinsein unter vielen Menschen. Ich bin das Verlassen sein und das Verlassen werden. Wer sollte ich denn sonst sein?"
"Nun. Freude bestimmt nicht, das war mir schon klar." Ich zögere einen Moment. "Warum rechnest du damit, verlassen zu werden?"
"Weil ich die Erfahrung immer wieder gemacht habe. Eingeschlossen, abgesperrt. Als Schlüsselkind stets hinter den Jobs der Eltern abgeschoben sein, unwichtig, allein. Dabei war ich so unkompliziert. Ich habe gelesen und gemalt, ferngesehen und keine Ansprüche geltend gemacht. Man hat mich vergessen, ich konnte ja so gut auf mich selbst achten." Das Gefühl hat den Griff um seine Beine gelockert, der Verbissenheit folgt die Entspannung. Es kann gar nicht anders, selbst wenn es wollte.
"Na," sage ich. "Besser?"
Das Gefühl nickt leicht.
"Soll ich immer noch gehen?"
"Nein, bitte nicht."
"Wollen wir etwas machen? Spielen vielleicht?"
Das Gefühl schüttelt entschieden den Kopf, die braunen Strähnen fliegen nur so um es herum.
"Nein?"
"Bleib einfach da." Das Gefühl zieht die Nase hoch. "Bitte."
Ich rücke ein Stück näher und strecke meine Hand aus. Es ist eine Einladung. Das Gefühl nimmt sie an. Seine Finger schlingen sich um meine. Ich drücke sie leicht und schweige ebenso beseelt wie mein Gefühl. 
"Hey", unterbreche ich das Schweigen irgendwann. "Du und ich, wir sind ein gutes Team."
"Warum?", fragt das Gefühl perplex.
"Weil du mich an die Wichtigkeit von Freundschaft und Vertrauen erinnerst. Und ich dich trösten kann in deinen dunkelsten Stunden."
"Win-Win, also?"
"Jepp", ich grinse und ziehe eine irrwitzige Grimasse. Das Gefühl muss lachen und streckt mir die Zunge heraus. SO geht das eine Weile hin und her, solange bis wir uns vor Lachen auf dem Boden kringeln. Erschöpft bleibe ich liegen und schlafe ein. Als ich wieder aufwache, ist das Gefühl verschwunden. Nicht für immer, es wird wieder kommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber es wird mich nicht mehr überwältigen können. 

Liebes Gefühl, bitte quäle mich nicht mehr, sonst muss ich dich verdrängen und das täte uns beiden gar nicht gut.
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3x10 - Worte und Minuten

7/16/2024

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Zentrifugalkraft - Kontaktlinsen - Ambivalenz - Anarchie - Jakobsmuschel - Zahnseide - Verwirrung - Monte Negro - Elektrizitätsnetzwerk - Herzflattern

Die Reste der Jakobsmuscheln fielen der täglichen Routine der Zahnpflege inklusive der Zahnseide, gewachst und mit Mentholgusto versehen, zum Opfer. Henry  war in einem Zustand der galoppierenden Verwirrung gefangen. Seine Gefühle spielten Anarchie und das Herzflattern verursachte einen Sturm in seinem Gemüt. Und alles wegen der Ambivalenz die mit der Wucht der Zentrifugalkraft auf das Antlitz der montenegrinischen Schönheit traf. Sie, mit ihren tiefdunkelblauen Kontaktlinsen, konnte sich doch nicht ihn ausgesucht haben. Ihn, den Admin des Elektrizitätsnetzwerkes. Wollte sie ihn oder seine Funktion? Und wollte er sie oder nur das Versprechen? Er wusste es einfach nicht. Aber die Muscheln waren gut gewesen. Das war die einzige Gewissheit des Abends.

Psychopath - Prisma - Kinosaal - Kettensäge - Kirchenglocken . Wimperntusche - Efeuranke - Gullideckel - Gelatine - Elefantenbaum

Johnny, seines Zeichens bekennender Psychopath, geisterte auf der Leinwand jenseits des Kinosaals, mit einer Kettensäge in der rechten Hand, herum. Zum Klang der Kirchenglocken führte ihn sein Weg vom Gullideckel, an dem Elefantenbaum vorbei, über diverse Efeuranken hinweg, hin zu einem farblosen Mädchengesicht mit verschmierter Wimperntusche unter den verheulten Augen. Sie zitterte in seiner Nähe wie Gelatine oder Wackelpudding. Aber bevor wir das Ende erleben durften, riss der Film dieses überalterten Kinos, dass noch nicht auf Digitalisierung setzte. Das Licht schien durch das Prisma und zeichnete einen versöhnlichen, harmonischen Regenbogen auf die leere Leinwand. Doch nicht jeder hatte es mit der Harmonie und so musste der Saal schließlich von der Polizei geräumt werden.

Pathologie - Veilchen - Zitronenkuchen - Teilchenbeschleuniger - Hobbits - Tiefsee - Avocado - Kreuzworträtsel - Richter - Festplatte

Der Leiter der Pathologie und der Richter aßen gemeinsam den Zitronenkuchen, den Grit, die Sekretärin des Institutes wie an jedem Freitag gebacken hatte, um das Wochenende einzuläuten.
Oscar, der Pathologe, hatte einen Toten auf der Bahre, dessen großzügiges Veilchen darauf hinwies, dass dessen Festplatte im Kopf durch den mächtigen Hieb wohl gehörig defragmentiert worden war.
Das alles hatte sich im lokalen Teilchenbeschleuniger zugespielt, wobei Hobbits, Tiefsee und eine Avocadoart in einem abstrusen Kreuzworträtsel eine gewichtige Rolle spielten, vulgo der Zankapfel der tödlichen Auseinandersetzung waren. 
Nun war also einer tot und der andere stand mit leeren Händen, einem unvollendeten Rätsel und einer Strafe wegen Totschlags noch allzu munter mitten im Leben. Einem vergitterten Leben, aber immerhin nicht tot. Selbst Kuchen würde es für ihn noch geben.
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Das verwirrte Gefühl

7/10/2024

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Eines Morgens, es war noch nicht sieben Uhr, erwachte ich mit einem flauen Gefühl im Magen. Irgendetwas war in mir äußerst angesäuert und rannte Sturm innerhalb meines Bauches.
"Was ist da los?", fragte ich mich. "Was soll der Aufruhr, was soll der Ärger?"
Da spürte ich, wie sich etwas Igeliges in meinen Eingeweiden festkrallte. "Ich bin kein Aufruhr! Ich bin kein Ärger! Ich bin eine richtig fette Wut!"
"Aber auf was bist du denn so wütend?", fragte ich vorsichtig.
"Weil man mich nicht ernst nimmt! Weil mich nie jemand ernst nimmt. Weil ich viel zu niedlich bin für dein ganzes Mind Set!"
"Aber wer bist du denn?"
"Da siehst du es - sogar du erkennst mich nicht mehr!" Das kleine Gefühl piepste sich in die höchsten Tonlagen empor. Dann tat es einen tiefen Schnaufer und schwieg. Ich lauschte in mich hinein. Im Hintergrund bewegte sich die tiefe Traurigkeit träge an der Rückwand meiner Seele. Die tiefe Traurigkeit sprach nicht. Sie sprach nie, sondern war stets gewichtig und gram. Da stampfte das kleine Gefühl mit seinen Füßen auf, nahm Anlauf und sprang gegen die tiefe Traurigkeit. "Nimm dies!", rief es dabei. Als es nutzlos zu Boden fiel, nahm es erneut Anlauf, sprang mit einem weiteren Kampfschrei gegen die Trauer und fiel erneut zu Boden. "Aua", maulte es ein -,  zwei Mal. Dann zog es die Nase hoch, schluckte einmal und brüllte mich dann an:
"Weißt du jetzt wer ich bin?"
"Nein", antwortete ich ehrlich. "Aber lass mich raten, du willst etwas kaputt machen."
"Aber sicher doch! Das da ganz besonders", und es deutete im weiten Bogen auf die Traurigkeit, die Ignoranz, den Kritiker, den Forderer und die Müdigkeit. 
"Das ist aber viel, das du zerdeppern willst." Ich staunte nicht schlecht. "Zeig dich doch mal von Nahem."
Da rollte das kleine Gefühl auf mich zu und zeigte sich in seiner ganzen borstigen Pracht. "Weißt du jetzt, wer ich bin?"
"Ich glaube, du bist gerade verwirrt. Ziemlich verwirrt."
"Ja, aber was war ich vorher?"
Ich schüttelte den Kopf.
"Stell dir mal vor, du isst ein Spaghettieis. Was fühlst du dann? Oder wenn du ein neues Kleid trägst? Oder mit deinem Mann zusammen bist? Na? Nahaha?"
Da lächelte ich. "Freude?", fragte ich mit einemm langen Fragezeichen.
"Na bitte!" Das kleine Gefühl verlor seine Borsten, das Fell wurde seidenglatt und glänzend.
"Bist du noch immer verwirrt?"
Das kleine Gefühl grinste. "Ich glaube nicht. Aber was machen wir damit?" Es wies zu der trüben Runde um die tiefe Traurigkeit.
"Macht kaputt, was euch kaputt macht!", deklarierte ich fröhlich.
DA wurde das kleine Gefühl wieder borstig und machte sich ans fachgerechte Zerlegen der anderen Gefühle und wuchs und wuchs, je kleiner die anderen Gesellen wurden.
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Noch eine Schreibübung aus dem Ergo-Club 10 Worte/10 Minuten

7/1/2024

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Kaugummi Dienstag Regenschirm Wolken Bananenbrot Kaffee Weltall Iris Nebel Pflaumenbaum

Es war ein ganz gewöhnlicher Dienstag, als Peter, den Wolken am Himmel geschuldet, den Regenschirm einpackte. In seiner Tasche schlenkerten die Isokanne mit Kaffee, sowie das dazugehörige Bananenbrot wild durcheinander. Denn Peter war aufgeregt, sein Griff zittrig. Er versuchte sich mit einem Kaugummi zu beruhigen, machte aber einen falschen Tritt und verschluckte sich. So stark, dass ein Nebel vor seiner Iris aufzog, ein Nebel, der das ganze Weltall barg. Und so war es nicht verwunderlich, dass er gegen den Pflaumenbaum stieß, der in Lolas Garten wuchs, und in den Dreck stürzte. Lola, mit der er den ersten Tag in der neuen Firma bestreiten sollte. Aber Peter ließ vor Scham Tasche und Regenschirm fallen, drehte sich auf dem Absatz herum und stürmte nach Hause. So hatte er sich das nicht vorgestellt. So nicht! Er strich also Job und Lola und suchte sich ein neues, ein anderes Leben.
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